Ich packe meinen Koffer...

4/26/2015 - Kommentare: 9

Ich packe meinen Koffer und besuche die Wikingerschafe! Die richtigen. In ihrer angestammten Heimat.

Shetland - the adventure starts here

Nordische kurzschwänzige Schafe gibt es viele. Nicht nur im Norden - auch z.B. weit im Osten. "Nordische kurzschwänzige Schafe" bzw. "nordische kurzschwänzige Heideschafe" klingt jetzt leider nicht sooo elegant.

Also Wikingerschafe. Ich packe meinen Koffer und fahre zu den Wikingerschafen. 6 Monate lang. Das ist natürlich viel zu kurz für all die Rassen. Je nach Zählart sind das immerhin 40 bis 50. Also lass ich Osteuropa und Skandinavien aus und beschränke mich erst mal auf Großbritanien. Die Hebriden, Isle of Man, Orkney, Shetland,......da gibt es z.B. Schafe mit vier Hörnern und Schafe, die fast nur Seetang fressen. Und es gibt woolen mills, die diese altmodischen Wollsorten zu ziemlich modernen (oder zeitlosen) Produkten verarbeiten.

Ich bin gespannt wie es ist auf einer Insel, die so  abgeschieden und so rau ist, daß sich nur die ganz alten Nutztierrassen halten lassen, die anderswo wegen ihrer Unwirtschaftlichkeit (fast) ausgestorben sind. Wo sich dementsprechend auch die umständlichen, alten Arbeitstechniken gehalten haben, die z.B. die "primitiven" Wollvliese brauchen. Wo jeder mehrere Jobs hat, weil man z.B. als "nur Friseur" nicht sonderlich weit kommt auf einer 30-Leute Insel....

Also: Ich packe eigentlich gar nicht meinen Koffer sondern mein kleines Auto:

Das japanische Raumwunder wird die nächsten 6 Monate die Basis für mich und Swift - meinen Hütehund in Frührente.

Hippiesonne

 

Als Glücksbringer kommt die Hippiesonne mit, die mich schon seit meiner Zeit in Irland vor - schluck - über 20 Jahren auf wichtigen Touren begleitet.

Ich packe mein kleines Autochen und nehme mit: Einen Hütehund in Frührente, eine Hippiesonne und eine Schafschere!

Ich hab mich natürlich in allen möglichen Internetforen kundig gemacht, was man so an Ausrüstung braucht. Zelt, Rucksack, Wanderschuhe, Kochgeschirr, Klamotten,.... alles gibt es in ultraleichten hightec-Varianten für ein Heidengeld und scheinbar braucht man das alles, wenn man z.B. in Schottland mal ein paar Tage zu Fuß unterwegs sein will... Ich bin da ja ganz typisch deutscher Reisender und hab gerne eine super Ausrüstung für alle Fälle und das in bester, modernster Ausführung! Also ich wäre bereit gewesen, für die Ausrüstung einen Batzen Geld auszugeben. Ich hatte sogar 'nen Batzen. Aber nun ja.... meine neue Reiseausrüstung:

Connor Concertina

Da kann ich 14 Stunden lang auf der Überfahrt von Aberdeen nach Lerwick /Shetland gegen die Seekrankheit ankämpfen und dazu "Eine Seefahrt die ist lustig" spielen!

Ich packe mein kleines Autochen und nehme mit: Einen Hütehund in Frührente, eine Hippiesonne, eine Schafschere und eine Anglo Concertina!

Was ich nicht mitnehme ist die Wolle von meinen Wikingerschafen

Wikingerschafe

 

Am Montag wird geschoren. Das erste mal mach ich das nicht selber. Und das erste mal elektrisch.

Wer Interesse an der Wolle hat: Bitte melden! Ich verschicke die gegen Portokosten, wenn Ihr mir dafür eine Beurteilung schreibt für diesen Blog.

Shetlandmix und Skudde

 

Was ich ebenfalls nicht mitnehme ist dieser Blog. Ich habe für die Reise einen eigenen Blog angefangen. Ganz simpel und von der Stange und hoffentlich unterwegs von mobilen Geräten leicht zu füttern! Ich hab ewig nach 'nem Namen gesucht und nix wollte mir einfallen. Irgendwann fiel mir auf, daß ich meine Reise eigentlich gar nicht plane sondern mich treiben lassen will. Mit der Option, auch einfach irgendwo hängen zu bleiben.... Driftwood. Driftwood ist ein total schönes Wort. Aber als Blogtitel natürlich schon lange, lange vergeben.

Ich packe mein kleines Autochen und nehme mit: Einen Hütehund in Frührente, eine Hippiesonne, eine Schafschere, eine Anglo Concertina und einen Blog mit Titel: DriftwooL

 http://www.driftwool.blogspot.de/                                                                                                       

 


Jedes Schaf hat einen Namen - Sternchen

8/14/2014 - Kommentare: 3
Meine Schafe haben Namen. Sie haben auch ihren eigenen Charakter und ihre Persönlichkeit. Und die bekommen sie nicht erst von mir - quasi im Doppelpack mit ihrem Namen - sondern die haben sie einfach. 
Ich bin mir auch gar nicht sicher, ob ich ihnen die Namen "gebe". Auch die Namen haben sie einfach. Ich glaube nicht, daß sie Namen in der Schafswelt haben und mir die auf irgendeine mystische Art mitteilen aber bei vielen meiner Schaf gab es einen Punkt an dem ich das Gefühl hatte, es gäbe einen Namen für das, was sie sind. 
Nicht wie sie aussehen, was sie "sind" Eigentlich wollte ich ja alle meine Schafe nach Blumen benennen. Aber irgendwie haben diese Namen nicht an den Lämmern gehalten. Da gab es andere Namen....Nano und Hannah und der "kleine Eisbär". 
In den ersten Jahren habe ich den Lämmern also ganz euphorisch und furchtbar kreativ Namen gegeben. Und sie dann doch umbenannt. Dann habe ich mir angewöhnt, einfach abzuwarten, wie sie heißen. "Ich bin schon ganz gespannt, wie die Lämmer dieses Jahr heißen" - ist irgendwie seltsam, wenn man die Namen doch selber vergibt. Aber so ist es. Immer wieder spannend!
 
Beim letzten Lämmerjahrgang wollte ich es mal wieder mit einem Thema versuchen. Als die ersten geboren wurden, haben wir Musik gemacht auf einer Whisk(e)y-Messe. Also sollten es Namen mit Whiskey-Bezug werden. Es gibt Islay und Malt und Scapa. Aber ein Bocklamm war dabei, daß hatte anscheinend schon einen Namen: Möpi. 
 
Nur ein einziges meiner Schafe hatte gar keinen Namen. Bloß einen Arbeitstitel. Das Lilly-Lamm. Meine schönste Skudde aber leider auch meine scheueste. Ich war sicher, daß mir ihr Name irgendwann einfällt. Da muß man halt mal ein paar Wochen abwarten. Oder auch länger..... Ich beschrifte nach der Schur die Wollbündel immer mit dem Namen des Schafes. Jonathan und Balduin, Dörthe, das Flitzepieps und Prinzessin Emily, "Jiggit" - nach dem walisischen Schafzählsystem die Nummer 20 - für mein zwanzigstes Schaf. Nur bei ihr steht "Lilly - Lamm". Jahr für Jahr schreibe ich diese sachliche Beschreibung auf ihr Bündel und hab schon öfter gedacht, daß sie eigentlich einen eigenen Namen braucht. Aber sie hat keinen. Sie ist einfach Lillys Lamm.
 
Montag komme ich auf die Weide und das Lilly Lamm läuft komisch. Als hätte sie sich das Knie verdreht. Oder ist das doch ein Torkeln? Am nächsten Morgen sind wir nochmal rausgefahren und da ist klar, daß wir zum Tierarzt fahren. Es geht rapide bergab. Das Schaf kommt an den Tropf und bekommt zusätzlich ein Antibiotikum und Vitamin B1 und etwas gegen Parasiten. Kurz danach liegt es fest, mit nach hinten/ oben gestrecktem Kopf. Ist das das "Sternguckersyndrom"? Wir lesen uns durch unzählige Internetseiten und beschließen, nie wieder das Haus zu verlassen! Der "Farbatlas der Tropenparasitosen" hat mich um Studium fasziniert - ein exotischer Grusel, angenehm weit weg. Aber das ist nix gegen die Gefahren die auf ein Schaf hier bei uns lauern! Zumindest auf mein armes kleines Schaf. Ganz allein liegt sie im Stall und starrt nach oben. Meine scheueste Skudde. Ganz allein und voller Angst. Ob ich ihr die Dörthe hole? Ein ruhiges - beruhigendes - großes Schaf gegen die Einsamkeit und die Angst. Ich erklär ihr in Gedanken, daß sie in die Sterne gucken kann, soviel sie will. Das ist noch nicht der Weg! 
Abends steht sie! Unsicher - aber sie steht! Das Sternchen! 
Ob das schon die Entwarnung ist? Ganz kurz träume ich, wie es weitergehen könnte. Stella - nein: Sternchen - meine schönste Skudde - von jetzt ab ganz zahm... Leider ist das keine Geschichte mit Happy End. Mein Sternchen. Es gibt keine Schafe ohne Namen.    
Skudde

gewonnen!!!

6/ 8/2014

Ich hab gewonnen!

Auf dem Blog Über Land (http://www.ueber-land.eu/) wurde ein wunderbares Buch vorgestellt und alles, was man zur Teilnahme an der Verlosung tun mußte, war ein Kommentar zu alten Nutztierrassen und warum es sich lohnt, sie zu erhalten. Kein Problem! Da fällt mir so einiges ein. Von den gerne eingeworfenen Genreserven zu der Standortangepasstheit und der großen Vielfalt, die "für jeden etwas" bereithält....

Der Kommentator nach mir hat natürlich viel weniger Worte gebraucht, um etwas Entscheidendes zu schreiben: "Und außerdem sind sie schön!" Sind sie! Und das Buch auch.

Hier ist es:

Buch alte Haustierrassen

 

Was ungewöhnlich ist an diesem Buch, ist das "Fehlen" bunter Bilder. Erwartet hätte ich eher ein "coffee table book" mit vielen tollen Bildern und wenig Text. (Oft ist das ja nur Geschwafel, damit es kein Photoband wird).

Dieses Buch hat reizende Zeichnungen zu den einzelnen Rassen und hat dadurch einen etwas altmodischen Charme.

Und da Skudden vorkommen, muß es ja ein tolles Buch sein!

 

Keiner alten Rasse gehören unsere neuen Mitbewohner an: 

 

Puttchen Brammel

Grünleger

 

mit ihren Gefährtinnen Belladonna Tuck, Henriette Hinkel und Helga von Sinnen:

Sussex Hybride

 

Die vier machen echt Spaß, legen mittlerweile auch fleißig grüne und braune Eier und machen ordentlich Mist. Und Unsin. Henrietta Hinkel aka "Bob das Bauhuhn" hat schon mal meine Neugier befriedigt zum Thema: Können Hühner schwimmen? (Nö - sie können aber kurze Strecken hektisch flügelschlagend zur Ufermauer planschen, wo man sie dann bequem retten kann! Nun steht ein Hühnerrettungsnetz am Bach.) 


Winter

ich dachte schon, der fällt aus.... - 1/30/2014

Ziemlich spät und fast schon unerwartet ist es nun doch noch Winter geworden. Ich hab mir sofort Ski gekauft und warte nun sehnsüchtig auf ein paar mehr cm Schnee.....

Schafe im Schnee

 

Die Mädels dagegen warten hier sehnsüchtig auf den Transport in den Stall!

 

Da ich dieses Jahr eine längere Reise "in Sachen Schaf" vorhabe, sind einige von meinen Skudden und Mixen zu verkaufen. Auch welche von den bunten Mädels und Shetlandschafbock Jamie (Dörte - die "nicht-Skudde" ganz vorne ist allerdings unverkäuflich).

Die Schafe sind brav, standorttreu, kennen E-Netz und Umtrieb mit Hund


Wolle von den Wikingerschafen

11/ 5/2013 - Kommentare: 2

Nun sind sie schon fast groß, die Skudden X Shetland Mixe. Meine Wikingerschafe. Gerade noch so:

Wikingerschafe Lamm

 

und nun schon "unter'm Messer". Die Lämmer sind sehr unterschiedlich von der Wolle. Die hübsche Islay ist eher skuddenähnlich mischwollig:

Wikingerschafe Wolle

 

Wie hoch der Anteil Grannenhaare (Deckhaare) wird, kann man natürlich noch nicht sehen. Mir fehlt da auch der Vergleich zu herbstgeschorenen Skuddenlämmern. Diese Lämmer haben jedenfalls eine sehr hohe "Haardichte" - mehr als die Skudden bei ihrer ersten Schur im Frühjahr.

Meine Hoffnung: Keine Stichelhaare, hoher Anteil Wollhaare - dann könnte das ein ganz tolles Handspinnervlies werden! Mit feiner Tücherwolle an der Schulter, Pulliwolle an der Seite und derber Sockenwolle an den "Haxen"....

Geschoren habe ich Anfang September. Und danach kannte ich die Kleinen gar nicht wieder. Vor der Schur waren sie noch "bunt" und sahen alle einzigartig aus:

 

Wikingerschafe Wolle

 

Danach gab es nur noch Abstufungen von grau...

Güldene Wolle am hellgrauen Schaf:

Wikingerschafe Wolle

 

Hellcremesilbergrau? Weißgold? Auf jeden Fall richtig schön und sehr "shetlandisch":

 

Wikingerschafe Wolle

 

Dann gab es noch alle möglichen Abstufungen bis fast schwarz. Die hier ist von dem kleinen dunkelgrauen Bock Möpi. Sehr nette Farbe und sehr feine Wolle. Mehr Shetland als Skudde.

Wolle Shetlandschaf

 

Nein, ich hab nicht aus Versehen ein Ohr abgeschnitten....

 

Wikingerschaf

 

Hier hat sich ein Farbverlaufsgarn fast aufgedrängt:

Wolle Wikingerschaf

 

Wolle Wikingerschaf

Von links nach rechts: Cream, Cookie, Islay, Scapa, Möpi und Flo: 

Wolle Wikingerschaf

Auf der Spule sah es so aus:

Wolle Wikingerschaf

Mittlerweile ist es Navajo-Gezwirnt, gewaschen und getrocknet und wartet auf eine kleine Strickidee. Stulpen vermutich. Vielleicht ganz simpel glatt rechts..... mal schauen..... kommt Zeit kommt Stulpe......


Wohin mit der Wolle?

Spinnen und Stricken - 6/30/2013

Auf jeden Fall nicht in den Müll! Gefilzte Vliese kann man zu Lebendfellen verarbeiten, die dreckige Wolle taugt als Mulch z.B. um Obstbäume, fast jede Wolle kann man in Hundekissen stopfen.... aber die schöne Wolle kann man verspinnen. Und verstricken. Oder Häkeln. Oder Weben.

Und heutzutage kann man das alles im Internet lernen. Es gibt tolle Seiten mit Beschreibungen und Videos. Auf einer dieser Seiten habe ich einen Tip gelesen, den ich hier einfach mal weitergebe. Es ging darum, wie dick man eine bestimmte Wolle spinnen soll. Als Beispiel muß wieder mal Shetlandschaf Jamie herhalten:

Shetlandschaf Wolle

Die Faustregel besagt, daß  man für die Nadelstärke spinnen soll, die in eine "Crimp-Biegung" paßt. Oben und im nächsten Bild liegt eine 2,25er Nadel in der Kräuselung.

Shetlandschaf Wolle

Das kommt ganz gut hin: Feine Kräuselung = oft feine Faser. Ausnahmen gibt es natürlich zuhauf. Vor allem am anderen Ende des Spektrums - fast gerade, aber trotzdem sehr feine Fasern, die sehr dünn versponnen werden können. Die Faustregel sagt auch nicht, daß man feine oder kräuselige Wolle nicht dick verspinnen darf. Aber eigentlich braucht man gar keine Faustregel - weil Ausnahmen die Regel bestätigen und erlaubt ist, was gefällt!

Die Wolle von meiner Dörte ist keine Ausnahme: Die hat größere Locken und deutlich dickere Fasern. Da bietet sich "fluffigeres", dickeres Garn an. Die schrille Lila - orangene Bollywoodfärbung, die ich hier schon mal vorgestellt habe, habe ich ganz konservativ gesponnen und verzwirnt. Orange (Krappfärbung) mit orange und lila (Blauholz) mit lila.

 

Von vorne nach hinten: Natur, Krapp, Blauholz

Wolle Krapp,  Blauholz

Blauholz-Färbung. Verschiedene Züge (Durchgänge im Färbebad) miteinander verzwirnt - ganz leicht meliert:

Wolle Blauholz

Skuddenwolle paßt als Mischwolle nicht so ohne weiteres zu einer "dick oder dünn spinnen" Faustregel. Wenn man die sehr dünn spinnt - wie das für die superfeine, kräuselige Unterwolle angebracht wäre - dann kommen die derben, glatten Grannenhaare/Deckhaare viel mehr zum Tragen: Der Faden scheint derb und pieksig. Am Besten gefällt mir Skuddenwolle als dickes Streichgarn (aus kardierter Wolle gesponnen) mit wenig Drall gesponnen. Aber jetzt habe ich mal was neues ausprobiert: Ich habe mir Wollkämme gekauft (und damit sich das Porto lohnt auch noch eine Kreuzspindel). Meine ersten gekämmten Proben (Skudden, Dörte, Dörterichse und die tolle Wolle, die mit im Paket war) sind alle in einen Probestrang gelandet. Sehr positiv überrascht hat mich die Wolle der Dörterichse (Skudde X Schwarznasen-Mix). Seeehr nett! Dörte Wolle hat als Kammzug einen feinen Glanz. Und bei den verschiedenen Skudden kommt es sehr drauf an. Ich habe Rohwolle, kardierte Wolle und gewaschene / gezupfte Wolle genommen. Bei der Rohwolle kann man schön die Grannenhaare rausziehen und die Stichelhaare bleiben im Kamm. Übrig bleibt feinste Skuddenwolle. Bei den anderen "Sorten" hatte ich immer verschieden lange Haare erwischt, so daß es lange Wollhaare und kürzere Deckhaare gab. Untrennbar. Versponnen habe ich alles hintereinander weg:

Wollkämme Valkyrie, Spindel

Kämmen und Handspindelspinnen paßt gut zusammen. Man braucht jeweils eine halbe Ewigkeit. Zusammen also eine ganze.... Das ist nix, um mal eben ein paar Vliese zu verarbeiten und die Wolle für 'nen Pulli zu spinnen. Entschleunigen ist das Stichwort....

Diese Valkyrie Kreuzspindel ist sicher eine sehr gute Anfängerspindel. Sie dreht sehr lange aber nicht sonderlich schnell. Da hat man Zeit zum Ausziehen der Wolle! Und das mit dem Knäul, das man dann mit sich selber verzwirnen kann ist sehr, sehr praktisch!

Kreuzspindel Skuddenwolle


Wohin mit der Wolle?

"Lebendfell" - 6/30/2013

Dieses Jahr war meine Wolle ja nicht gerade doll! Im Frühjahr immer naß, manchmal warm und dann wieder kalt und noch nasser: Da sind den Schafen die Vliese am Körper gefilzt.

Skudden scheren

Meine Lilly schien ganz froh zu sein, den Filzpanzer loszuwerden.

Skudden scheren

Viel kann man damit nicht mehr anfangen....aber man kann "Lebendfelle" draus machen! Also ein Schaffell ohne Leder - vom lebenden Schaf. Dazu braucht man Seife:

Schaffell filzen

Ein Vlies vom Schaf (hier vom Flitzepieps):

 

Schaffell filzen

und dann kann es schon losgehen. Von der Schnittseite mit Seifenwasser benetzen (oder begießen) und vorsichtig drüberreiben. Nach und nach kann man stärker reiben und doller drücken.

Schaffell filzen

Wenn man meint, daß es fertig ist  (oder man partout keine Lust mehr hat) kann man noch die Ränder ordentlich schneiden. Und fertig ist das Lebendfell!

Oder man spart sich die ganze Arbeit und hängt das Fell einfach mit der Schnittseite nach oben auf und läßt es ein Jahr liegen. Habe ich mir sagen lassen.....  Falls das jetzt jemand ausprobiert freue ich mich schon auf Rückmeldungen nächsten Jahr!

 


kleinste deutsche Schafrasse

6/23/2013

Ohne viel Text: Dörte und der bunte "Zwergenhaufen"

Skudden

 

und noch eins ohne Dörte. Da sieht Frau Zimmermann (die weiße mit Hörnern) richtig groß aus neben den Lämmern:

Skudden


Skuddenwolle verarbeiten: Sortieren

6/22/2013 - Kommentare: 5

Die Wolle der primitiven Schafrassen wie Skudden hat so ihren ganz eigenen Reiz. Man muß sie aber zu nehmen wissen. Bevor ich was zum Sortieren schreibe, muß ich mal "kurz" ausholen und etwas über typische Skuddenwolle und "primitive Vliese" schreiben. Und dazu hole ich mal ein paar ältere Bilder wieder vor.  In einem älteren Blogpost habe ich mal ein Bild gezeigt, wie die Mischwolle der Skudden zusammengesetzt ist. Aus kurzen Stichelhaaren, feinen Wollhaaren und langen Grannenhaaren:

Mischwolle

 

Vor allem die kurzen, borstigen Stichelhaare sind schuld, daß Skuddenwolle nicht sehr beliebt ist. Aber auch die langen Grannenhaare machen die Wolle derb und eher kratzig. Die Wollhaare an sich sind aber superfein und sind es auf jeden Fall Wert, sie zu verspinnen.

Wolle ohne Stichel- und Grannenhaare liegt hübsch parallel in Wellen (wenn die Löckchen halbwegs gleimäßig sind). Mein Hammel Alexander hat solche Wolle. Obwohl er eine Skudde ist. Ein kleiner Gag der Genetik nehme ich an. (Und ein kleiner Gag des Schicksals, daß ich ihn hab kastrieren lassen bevor ich das mit der Wolle bemerkt habe!) 

Wolle

 

Und hiermal ein Beispiel für Mischwolle - wenn auch nicht von der Skudde - bei der Haare mit unterschiedlicher Lockung / Crimp durcheinander wachsen. Dadurch, daß stark gekräuselte und fast glatte Haare nah beieinander sind, kann man die Lockung der feinen Wollhaare nicht als deutliche Wellen sehen.

Mischwolle

 

Nun zum Sortieren: Beim normalen Skuddenvlies ist der Anteil Stichel- und Grannenhaare an unterschiedlichen Körperteilen unterschiedlich. Und das sollte man sich zunutze machen!

Ich sortiere erstmal den richtigen Müll raus. Kurze Bauchwolle, eingesaute Popowolle, verfilztes und eingefüttertes. Und dann kommt es drauf an, ob ich ein eher gleichmäßiges Vlies vor mir habe. Da sortiere ich dann nur die ganz derbe Wolle von den Hinterbeinen weg. Die ungleichmäßigeren Vliese sind wohl die ursprünglicheren. Auf jeden Fall lohnt sich da eine weitere Sortierung. Anschauliche Bilder dazu hab ich von meinem (geschorenen) Shetlandschaf. Die Zonen sind bei den meisten Schafen ähnlich und Skudden und Shetlandschafe sind so nah verwandt, daß man das gut übertragen kann.

Ganz weiche, feine Wolle findet man an der Schulter. Bei Shetlandschafen wird diese Wolle traditionell für Lace (Strickspitze) verwendet. Bei Skudden finden sich hier weniger Stichel- und Grannenhaare und ebenfalls die feinsten Wollhaare. Je nach Tier lohnt es sich, diese Wolle einzeln zu verarbeiten. Auch wenn es nur eine Handvoll ist.

Shetlandschaf Wolle

 

Die nächste Zone ist an der Seite. Die mittelfeine Wolle. Bei Skudden mit einem mittleren Anteil an Grannenhaaren. Wohl gut geeignet als Webwolle (für tweedähnliche Stoffe - werde ich sicher irgendwann mal ausprobieren!) Auf dem Rücken ist die Wolle leider oft eingefüttert und / oder verfilzt und bei Skudden sind da viele Stichelhaare. Also bei mir eher was für den Müllhaufen (später dann Obstbaummulch)

Shetlandschaf Wolle

Und Zone drei: Die Hinterbeine. Selbst beim Shetlandschaf sieht man, daß es hier eher "haarig" als "wollig" ist. Bei Skuddenböcken ist die Mähne ähnlich haarig. Bei mir fliegt diese Wolle weg (bzw. an die Obstbäume - von denen wir viel zu wenig haben). Vermutlich wäre das bei Skudden was für Teppiche.

 

Shetlandschaf Wolle

Falls ich besonders feine Schulterwolle aussortiert habe, verarbeite ich die mit Handkarden. Teilweise auch ungewaschen. Wollkämme würden mich da ebenfalls sehr reizen. Mal schauen, wann ich mir welche gönne.

Der größte Teil Wolle kommt von der Seite. Man bekommt hier echt schöne Wolle, wenn man die Grannenhaare rauszieht und die Wolle dann professionell kardieren läßt. Ich hab mich mal mit einer Trommelkarde versucht aber die professionell kardierte ist sehr, sehr viel schöner. Außerdem wird man da die Stichelhaare los. Das mit den Grannenhaaren macht allerdings echt Arbeit und geht nicht, wenn die Wolle auch nur leicht angefilzt ist. Dazu habe ich auch ein altes Bild. Links mit, rechts ohne Grannenhaare.

Skuddenwolle

Das Verhältnis von "Deckhaar" zu "Unterwolle" ist von Tier zu Tier verschieden und bei der Verarbeitung sollte man das beachten. Also einfach mal unterschiedlich aussehende Wolle auseinander sortieren und ausprobieren, was gut geht und was nicht. Ich würd mich freuen, von anderen "Skuddenwollverarbeitern" zu hören!


Skudden scheren

mit der Handschere - 6/ 8/2013

Einen guten Schafscherer zu finden, scheint gar nicht so einfach zu sein. Zumindest klingt das bei meinen "Schafsbekannten" so. Bei wenigen Schafen wird es noch schwerer. Da kommt so mancher auf die Idee, selber zu scheren. Ich kann Euch da nur ermutigen. Mir macht Scheren Spaß und da noch kein Meister vom Himmel gefallen ist, lerne ich jedes Jahr dazu (oder lerne jedes Jahr neu, was ich seit dem letzen vergessen habe). Ich schreib's mal auf - vielleicht hilft es jemandem (wenigstens mir im nächsten Jahr!)

Aber erstmal steht eine Entscheidung an: Selber scheren - womit? Handschere oder elektrische Schermaschine? Die meisten Leute denken, die Handschere wäre gefährlicher. Im Vergleich zu den langen Klingen sieht die Schermaschine aus wie ein harmloser Barttrimmer....  aber man darf sich da nicht täuschen lassen: Damit kann man richtig Löcher machen! Ich hab die ersten drei Schafe mit der Handschere geschoren und überlege seitdem, ob eine elektrische nicht einfacher und schneller wäre. Ich hab noch keine gekauft..... Mich schreckt ab, daß  man da eine relativ schwere, virbrierende Maschine in der Hand hat (die Maschinen in der "Nicht-Profi-Preisklasse" haben den Motor im Handstück). 

Ich bleib also bei der Handschere. Soviel langsamer ist die gar nicht (sagt das Internet), sie ist leise, portabel, schnell einsatzbereit und Skudden, mit ihrer ursprünglichen Bewollung, lassen sich super mit der Handschere scheren. 

Es gibt ein paar Dinge, die die Sache vereinfachen:

  • nicht zu früh scheren! Die Skuddenwolle löst sich - einige Tiere können auch teilweise ohne Schere entwollt (gerauft) werden. Bevor sich die Wolle deutlich an Hals und Bauch löst, sollte man nicht scheren. Es gibt dann so eine Schnittzone, die sich besonders einfach schneiden läßt. Wenn man bei einem Schaf angefangen hat, das eigentlich noch nicht soweit ist: Ruhig nach ein paar Schnitten aufhören und noch etwas warten. Ich hab mich da einmal durchgequält.... das Schaf sah aus, wie eine zerrupfte Schaumstofmatratze und ein paar Wochen später habe ich noch mal geschoren..... So sah die Schnittkannte bei Lilly dieses Jahr aus:

Skudden scheren

  • Das Werkzeug: Ich hab mir für meine erste Schur eine Schafschere im Schäfereibedarf bestellt. Aber die kam und kam nicht an. Im Baumarkt hab ich dann eine Buchsbaumschere mit Holzgriffen gesehen und gekauft. Ein Glücksgriff! Paßt super in meine Hand, geht leicht, macht keine Blasen und schneidet hervorragend!Schafschere

    Meine "Zweitschere" (die dann doch igendwann ankam) ist eine Black-Blue - im Internet habe ich sie gesehen als "gute budget/economy" Schere. Also ein taugliches, günstiges Modell. Ich hab die ziemlich schnell wieder aus der Hand gelegt. Schneidet schlecht, braucht irre Kraft und macht Blasen.

  • Handschere ordentlich einstellen: Bevor man sich ans Schaf macht sollte man also probieren, ob die Schere scharf ist und gut eingestellt. Hier wird - neben vielen anderen Themen - auch das Scheren mit der Handschere und die Einstellung/Vorbereitung beschrieben: http://www.fao.org/docrep/v9384e/v9384e00.htm#con unter 6.2 hand shears (der Rest ist auch sehr lehrreich) Wir haben also heute an der Schere geschliffen und gebogen und gedrückt.... unter anderem stehen die Klingen jetzt in einem deutlicheren V, so daß sie stärker gegeneinander drücken.Schafschere          Die Lieblingsschere hat etwas Klebeband gegen das nervige Klicken bekommen. Die auf der Internetseite beschriebene Methode, einen dieser "Stopper" bis auf einen Dorn wegzuschleifen und darauf ein dickes Lederstück zu pieken, die hebe ich mir für später auf. Wenn ich eine Ersatzlieblingsschere habe.....Schafschere
  • Das "Schnittmuster": Es gibt verschiedene Systeme, nach denen man ein Schaf scheren kann. Wenn man sich die Schnittführung zeigen lassen kann ist das sicherlich am Einfachsten. Auf der verlinkten Seite ist das neuseeländische System beschrieben - unter 4.1.5. Ich schere ungefähr nach diesem Prinzip aber wo es geht lege ich das Schaf hin und knie darüber oder daneben. Sehr viel rückenfreundlicher. 

Die Profis scheren übrigens mit Scheren, die gute 5cm länger sind als meine Kleine! Und brauchen für ein dickes Merino deutlich unter 10 min!

Ich hab meine gepimpte Black-Blue heute gleich mal ausprobiert. Ging gut. Hat sauber geschnitten. Aber nach einem Schaf habe ich Blasen am Horizont erahnt und bin lieber zur "Kleinen" gewechselt. Den Griff mit Leder polstern wäre vermutlich eine gute Idee. Alternativ denke ich darüber nach, mir eine vorbereitete Profischere aus Neuseeland zu kaufen. "Rigged blades / shears" sind die Stichworte zur Internetsuche für alle die, die jetzt dem Kaufrausch verfallen!

Und wer Handscheren mal im Einsatz sehen will: Im Norden Neuseelands wird wohl häufig mit Handscheren geschoren, um genug Restwolle am Schaf zu lassen für das doch eher rauhe Klima. Das Video zeigt keine Show und keinen Wettbewerb. Ganz normale "Wollernte".  Ich bin total begeistert von der Sorgfalt mit der hier gearbeitet wird!


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