Skuddenwolle verarbeiten: Sortieren

6/22/2013

Die Wolle der primitiven Schafrassen wie Skudden hat so ihren ganz eigenen Reiz. Man muß sie aber zu nehmen wissen. Bevor ich was zum Sortieren schreibe, muß ich mal "kurz" ausholen und etwas über typische Skuddenwolle und "primitive Vliese" schreiben. Und dazu hole ich mal ein paar ältere Bilder wieder vor.  In einem älteren Blogpost habe ich mal ein Bild gezeigt, wie die Mischwolle der Skudden zusammengesetzt ist. Aus kurzen Stichelhaaren, feinen Wollhaaren und langen Grannenhaaren:

Mischwolle

 

Vor allem die kurzen, borstigen Stichelhaare sind schuld, daß Skuddenwolle nicht sehr beliebt ist. Aber auch die langen Grannenhaare machen die Wolle derb und eher kratzig. Die Wollhaare an sich sind aber superfein und sind es auf jeden Fall Wert, sie zu verspinnen.

Wolle ohne Stichel- und Grannenhaare liegt hübsch parallel in Wellen (wenn die Löckchen halbwegs gleimäßig sind). Mein Hammel Alexander hat solche Wolle. Obwohl er eine Skudde ist. Ein kleiner Gag der Genetik nehme ich an. (Und ein kleiner Gag des Schicksals, daß ich ihn hab kastrieren lassen bevor ich das mit der Wolle bemerkt habe!) 

Wolle

 

Und hiermal ein Beispiel für Mischwolle - wenn auch nicht von der Skudde - bei der Haare mit unterschiedlicher Lockung / Crimp durcheinander wachsen. Dadurch, daß stark gekräuselte und fast glatte Haare nah beieinander sind, kann man die Lockung der feinen Wollhaare nicht als deutliche Wellen sehen.

Mischwolle

 

Nun zum Sortieren: Beim normalen Skuddenvlies ist der Anteil Stichel- und Grannenhaare an unterschiedlichen Körperteilen unterschiedlich. Und das sollte man sich zunutze machen!

Ich sortiere erstmal den richtigen Müll raus. Kurze Bauchwolle, eingesaute Popowolle, verfilztes und eingefüttertes. Und dann kommt es drauf an, ob ich ein eher gleichmäßiges Vlies vor mir habe. Da sortiere ich dann nur die ganz derbe Wolle von den Hinterbeinen weg. Die ungleichmäßigeren Vliese sind wohl die ursprünglicheren. Auf jeden Fall lohnt sich da eine weitere Sortierung. Anschauliche Bilder dazu hab ich von meinem (geschorenen) Shetlandschaf. Die Zonen sind bei den meisten Schafen ähnlich und Skudden und Shetlandschafe sind so nah verwandt, daß man das gut übertragen kann.

Ganz weiche, feine Wolle findet man an der Schulter. Bei Shetlandschafen wird diese Wolle traditionell für Lace (Strickspitze) verwendet. Bei Skudden finden sich hier weniger Stichel- und Grannenhaare und ebenfalls die feinsten Wollhaare. Je nach Tier lohnt es sich, diese Wolle einzeln zu verarbeiten. Auch wenn es nur eine Handvoll ist.

Shetlandschaf Wolle

 

Die nächste Zone ist an der Seite. Die mittelfeine Wolle. Bei Skudden mit einem mittleren Anteil an Grannenhaaren. Wohl gut geeignet als Webwolle (für tweedähnliche Stoffe - werde ich sicher irgendwann mal ausprobieren!) Auf dem Rücken ist die Wolle leider oft eingefüttert und / oder verfilzt und bei Skudden sind da viele Stichelhaare. Also bei mir eher was für den Müllhaufen (später dann Obstbaummulch)

Shetlandschaf Wolle

Und Zone drei: Die Hinterbeine. Selbst beim Shetlandschaf sieht man, daß es hier eher "haarig" als "wollig" ist. Bei Skuddenböcken ist die Mähne ähnlich haarig. Bei mir fliegt diese Wolle weg (bzw. an die Obstbäume - von denen wir viel zu wenig haben). Vermutlich wäre das bei Skudden was für Teppiche.

 

Shetlandschaf Wolle

Falls ich besonders feine Schulterwolle aussortiert habe, verarbeite ich die mit Handkarden. Teilweise auch ungewaschen. Wollkämme würden mich da ebenfalls sehr reizen. Mal schauen, wann ich mir welche gönne.

Der größte Teil Wolle kommt von der Seite. Man bekommt hier echt schöne Wolle, wenn man die Grannenhaare rauszieht und die Wolle dann professionell kardieren läßt. Ich hab mich mal mit einer Trommelkarde versucht aber die professionell kardierte ist sehr, sehr viel schöner. Außerdem wird man da die Stichelhaare los. Das mit den Grannenhaaren macht allerdings echt Arbeit und geht nicht, wenn die Wolle auch nur leicht angefilzt ist. Dazu habe ich auch ein altes Bild. Links mit, rechts ohne Grannenhaare.

Skuddenwolle

Das Verhältnis von "Deckhaar" zu "Unterwolle" ist von Tier zu Tier verschieden und bei der Verarbeitung sollte man das beachten. Also einfach mal unterschiedlich aussehende Wolle auseinander sortieren und ausprobieren, was gut geht und was nicht. Ich würd mich freuen, von anderen "Skuddenwollverarbeitern" zu hören!


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